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Leben um 1900: Dienstpersonal – Der Lakai

Äußeres: Bei mehreren Sorten von Livree kann man außer dem Frackanzug auch andere Anzugformen verwenden. Der Frackanzug selbst ist aber notwendig. Der Frack kann offen oder zugeknöpft getragen werden und muß auf der Rückseite zwei Taillen- und 6—8 andere Knöpfe tragen. Es empfiehlt sich eine dunkle Farbe die nötigenfalls der Farbe des Wappens angepasst sein kann.

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Im allgemeinen kann man sagen, daß das einfache am vornehmsten ist, und daß die Verwendung vieler Verzierungen, Besätze, Tressen usw. keinen feinen Eindruck macht. Die halbausgeschnittene Weste ist bunt und muß etwa sechs Knöpfe haben.

Die Hose kann lang sein; in diesem Fall ist sie mit einer Biese zu versehen. Wenn sie als Kniehose getragen wird, muß sie von Plüsch sein und kann mit einem metallenen Kniegürtel unten abgeschlossen und befestigt sein.

Die Strümpfe, welche schwarz oder rosa sein sollten – weiße Strümpfe sind nicht mehr modern –, pflegen in feinen Häusern von Seide zu sein, wozu als Schuhe Lackschuhe getragen werden. In gesundheitlichem Interesse empfiehlt es sich, die Diener Gamaschen von schwarzem Tuch tragen zu lassen; Metallknöpfe dürfen an den Gamschen nicht angebracht werden.

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Der Lakai trägt Stehkragen mit weißer Krawatte in Form eines sog. Diplomatenschlipses. Das Verbot des Schnurrbarttragens für Diener ist noch in Gebrauch, jedoch ist, namentlich bei älteren Leuten, ein kurz gehaltener Backenbart gestattet.

Die Livree ist von dem Dienstherren zur Verfügung zu stellen und sollte nach ungefähr zwei Jahren erneuert werden. Die abgelegte Dienstkleidung darf von dem Bediensteten für seine Zwecke behalten werden.