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Film: Lizzie Borden

Der berühmte Mordfall von 1892 an den Eheleuten Andrew und Abby Borden ist die Thematik dieses Films mit Christina Ricci in der Hauptrolle der jüngsten Tochter, Lizzie Borden, welche verdächtigt wurde die Mörderin ihrer beiden Eltern gewesen zu sein. Dieser Film ist leider nur unteres Mittelmaß; in verschiedenster Hinsicht. Als erstes fiel die unpassend moderne und rockige, musische Untermalung bestimmter Filmsequenzen auf, welche ich hier mit einer reißerischen Schlagzeile auf der Titelseite der Klatschpresse vergleichen möchte. Sie passte zu den historischen Häusern und den in Turnüre und Frack gekleideten Personen so gut wie eine Giraffe zum Nachmittagstee. Ein weiterer musischer Fauxpas wurde bei einer Szene „verbrochen“ bei der im Hause der Borden-Schwestern eine Feier abgehalten worden ist. Unpassend zu Trank und Tratsch in illusterer Gesellschaft gab es eine Untermalung mit Swing-Musik aus den 1920er Jahren.

Mit der Kleidung, bezüglich der historischen Richtigkeit, hatte man sich zwar Mühe gegeben, aber das Schuhwerk darüber anscheinend vollkommen vergessen. So trägt Lizzies Vater am Tag des Mordes moderne Herrenstiefel zum „Hineinschlüpfen“ mit elastischem Gummieinsatz an den Seiten und die Herren von der Polizei und Anwaltschaft tragen ebenfalls verschiedene moderne Treter, welche sich eindeutig an der Form erkennen lassen.

Neben diesen kleineren Fehlern störte mich besonders der Umgang mit der Originalgeschichte. Obwohl man bis heute nicht klären konnte, ob Lizzie Borden tatsächlich die Mörderin ihrer Eltern war, und obwohl es weitere Verdächtige gab, wie z.B. den Bruder von Lizzie und ihrer älteren Schwester Emma (welcher im Film nicht existent ist), wird einem hier von Anfang an suggeriert, Fräulein Borden sei tatsächlich die herzlose Schlächterin, die mehrmals mit einer Axt auf ihre Eltern eingeschlagen haben soll. Trotz der recht guten, schaupielerischen Leistung von Frau Ricci, die einen sehr undurchsichtigen und rätselhaften Charakter darstellt, fehlt mir ganz klar die Objektivität. Man bekommt schnell das Gefühl, dass jemand versucht aus einem interessanten Kriminalfall auf zwanghafteste Weise eine Schauergeschichte zu konstruieren, die einzig darauf abzielt die Kinokassen zu füllen.

Wer sich ernsthaft mit der Geschichte der Familie Borden auseinandersetzen möchte und Wert auf Objektivität und Originalität legt, ist mit diesem Film nicht gut beraten. Zur kurzweiligen Unterhaltung, gepaart mit recht ansehnlichen Damenkostümen und einer darin hervorragend aussehenden Christina Ricci, ist der Film jedoch geeignet. 

Kurzbewertung

Handlungszeitraum: Um 1900
Kategorie: Thriller
Sprache: Englisch, Deutsch
Handlung:
Authentizität:
Charaktersympathie:
   
Gesamtwertung:
   
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