­= Donnerstag, 1. August 1898 ­=

Brombeeren

Die Brom­bee­ren (Rubus ſec­tio Rubus) ſind eine Sek­tion aus der umfang­rei­chen und welt­weit ver­brei­te­ten Pflan­zen­gat­tung Rubus inner­halb der Fami­lie der Roſen­ge­wächſe (Roſaceae). Die Sek­tion umfaſſt meh­rere tauſend Arten, allein in Europa wur­den mehr als 2.000 Arten beſchrie­ben. Die Früchte wer­den als Obſt ver­wen­det. Das Wort Brom­beere hat ſich aus dem alt­hoch­deu­tſchen Wort brām­beri‚ Dorn­ge­büſch­beere oder Beere des Dornſtrauchs, ent­wickelt.

Bio­lo­giſch betrach­tet hat die Brom­beere aller­dings keine Dor­nen, ſon­dern Sta­cheln. Mund­art­lich wer­den die Früchte auch Kratz­beere bzw. Kroatz­beere genannt, wor­un­ter die Bota­ni­ker aber nur eine Art der Brom­bee­ren ver­ſte­hen (vgl. Kratz­beere).

Erſcheinungsbild und Blätter

Brom­beer-Arten ſind win­ter­k­ahle oder win­ter­grüne (und dann im Früh­jahr Laub abwer­fende) Sträu­cher oder genau genom­men etwas ver­hol­zende, aus­dau­ernde krau­tige Pflan­zen mit zwei­jäh­ri­gen Zwei­gen: Die über­win­tern­den Zweige brin­gen aus ihren Knoſ­pen aus­ſchließ­lich Blü­tenſtände her­vor und ſter­ben dann nach dem Fruch­ten ab. Brom­bee­ren ſind häu­fig Klet­ter­pflan­zen (Spreiz­klim­mer) und wer­den zwiſchen 0,5 und 3 Meter hoch; die Spro­ſ­sachſen ſind je nach Art oder Sorte mehr oder weni­ger ſta­che­lig und ver­hol­zen mit der Zeit. Die dün­nen und der­ben Sta­cheln die­nen als Klet­ter­hilfe und Fraßſchutz.

Die wechſelſtän­dig ange­ord­ne­ten Laub­blät­ter ſind in Blat­tſtiel und Blat­tſ­preite geglie­dert. Die Blat­tſ­preite iſt unpaa­rig drei-, fünf- und ſie­ben­zäh­lig gefie­dert. Die Fie­der­blätt­chen ſind gezähnt.

Blütenſtände und Blüten

Die Blü­te­zeit reicht von Mai bis Auguſt. Erſt im zwei­ten Jahr wer­den ſpe­zi­elle Sei­ten­triebe gebil­det, an deren Ende ſich die Blü­tenſtände befin­den. Es wer­den trau­bige oder riſ­pige Blü­tenſtände gebil­det.

Die zwitt­ri­gen Blü­ten ſind radiärſym­me­triſch und fünf­zäh­lig mit dop­pel­ter Blü­ten­hülle. Der Blü­ten­bo­den iſt vor­ge­wölbt. Es ſind fünf Kelch­blät­ter vor­han­den. Die fünf freien Kron­blät­ter ſind meiſt weiß, ſel­ten roſa­far­ben. Es ſind über 20 Staub­blät­ter und viele Frucht­blät­ter vor­han­den.

Früchte

Die bei Reife meiſt blauſchwar­zen Früchte ſind bota­niſch geſe­hen keine Bee­ren, ſon­dern Sam­melſtein­früchte, die ſich aus den ein­zel­nen Frucht­blät­tern bil­den: Jede ihrer klei­nen Ein­zel­bee­ren iſt im Auf­bau einer Stein­frucht (zum Beiſpiel Kirſche) gleich und hat wie dieſe eine dünne Außen­haut. Tatſäch­lich beißt man beim Kauen der Früchte auf kleine Steine, in denen auch der Samen der Brom­beere zu fin­den iſt. Anders als bei der Him­beere iſt die Frucht feſt an den Blü­ten­bo­den gebun­den. Die Frucht­reife reicht von Auguſt bis Sep­tem­ber, bis­wei­len auch bis Okto­ber. Nach der Frucht­reife ſter­ben die Triebe ab.

Verwendung

Die Früchte ſind ſaf­tig und wohlſchmeckend. Brom­beer-Früchte eig­nen ſich zum Friſch­ver­zehr, als Kuchen­be­lag und um Kon­fi­türe, Gelee, Sor­bet, Saft, Wein und Likör zu berei­ten. Die friſchen Früchte kön­nen außer­dem durch Tief­küh­len konſer­viert wer­den. Wegen des ange­neh­men Geſchmacks ſind Brom­beer­blät­ter, die man am beſten in der erſten Mai­hälfte pflückt, in vie­len Tees ent­hal­ten. Brom­beer­tee kann als Hau­s­tee auch über län­gere Zeit gefahr­los getrun­ken wer­den.

Die fer­men­tier­ten Laub­blät­ter der Brom­beer-Arten die­nen als Erſatz für chineſiſchen Tee und wer­den als cof­fein­freier Frühſtück­s­tee gehan­delt.

Pharmakologie

Als Arz­nei­mit­tel die­nen heute die getrock­ne­ten Blät­ter (Bezeich­nung der Droge iſt Rubi fru­ti­coſi folium) ſchwach behaar­ter Arten. Sie ent­hal­ten Ger­bſtoffe (Gal­lot­an­nine und dimere Ella­gi­tan­nine), Fla­vo­noide und Fruch­tſäu­ren wie Citro­nen­ſäure und Iſo­ci­tro­nen­ſäure und etwas Vit­amin C. Auf­grund des Ger­bſtoff­ge­halts wird die Arz­nei als Adſtrin­gens und Mit­tel gegen Durch­fall, zum Gur­geln bei Ent­zün­dun­gen im Mund- und Rachen­raum, aber äußer­lich auch zu Waſchun­gen bei chro­niſchen Haut­er­kran­kun­gen ver­wen­det.

Nach Pli­nius ſind Früchte und Blü­ten harn­trei­bend, ein Auf­guſs in Wein hilft gegen Gal­lenſteine. John Gerard emp­fahl in ſei­nem Her­bal einen Abſud aus Brom­beer­blät­tern mit Alaun, Honig und ein wenig Weiß­wein als Spü­lung für wunde Stel­len im Mund und an den Geſchlechts­tei­len von Mann und Frau. Außer­dem helfe dies gegen Zahn­aus­fall. Die Wir­kung der Brom­beer­blät­ter bei Durch­fall­erkran­kun­gen erkannte ſchon der grie­chiſche Arzt Peda­nios Dioscuri­des, der in ſei­nem Werk mate­ria medica dieſe Anwen­dung beſchrieb.

­= Samstag, 1. Juni 1898 ­=

Heidelbeeren

Die Hei­del­beere (Vac­ci­nium myrt­il­lus) iſt eine Art aus der Gat­tung der Hei­del­bee­ren (Vac­ci­nium) in der Fami­lie der Hei­de­kraut­ge­wächſe (Eri­caceae).
Ihre Ver­wen­dung als Bee­ren­o­bſt bzw. Wald­frucht färbt auf­grund des dunk­len Frucht­fleiſches Zähne und Zunge blau.

Die häu­fig im Super­markt­han­del erhält­li­chen Kul­tur­hei­del­bee­ren ſtam­men dage­gen nicht von der in Europa hei­miſchen Hei­del­beere ab, ſon­dern von der Ame­ri­ka­niſchen Hei­del­beere (Vac­ci­nium corym­boſum) und ande­ren nord­ame­ri­ka­niſchen Arten. Sie erzeu­gen, da ihr Frucht­fleiſch hell iſt, keine Blau­fär­bung im Mund ſofern ſie unver­ar­bei­tet ver­zehrt wer­den.

Die Hei­del­beere wird regio­nal auch Beſinge oder Beſing genannt, wei­tere mund­art­li­che und regio­nale Namen ſind Blau­beere, Schwarz­beere, Moll­beere, Wild­beere, Wald­beere, Bick­beere, Zeck­beere, Moos­beere oder (beſon­ders auch ſchweiz. und ſüd­deut.) Heu­beere.

Heidelbeeren als Heilmittel

Als Heil­droge die­nen die getrock­ne­ten, rei­fen Früchte bzw. die friſchen oder tief­ge­fro­re­nen Früchte. Wei­ter­hin die getrock­ne­ten Blät­ter.

Haupt­wir­kſtoffe: In den Früch­ten Cate­chin­ger­bſtoffe, dimere Pro­an­tho­cya­ni­dine, Antho­cya­ni­dine (wie z. B. Aſtra­ga­lin), Fla­vo­noide, Caf­feoylſäu­ren, Fruch­tſäu­ren, Pek­tine, Invertzucker.

In den Blät­tern außer Ger­bſtof­fen Iri­doide, Phe­nol­car­bonſäu­ren, in gerin­ger Menge Chi­no­li­zi­d­i­nal­ka­loide, Arbu­tin und Hydro­chi­non höchſtens in Spu­ren, ein rela­tiv hoher Gehalt an Chrom und Man­gan. Über das frü­her ange­ge­bene „Glu­ko­ki­nin“ Neo­myr­ti­lin gibt es keine neue­ren Unterſu­chun­gen.

Anwen­dung: Die getrock­ne­ten Bee­ren ſind auf­grund des Ger­bſtoff­ge­halts und der Pek­tine ein belieb­tes Volks­heil­mit­tel gegen Durch­fall, ebenſo der mit Rot­wein angeſetzte Hei­del­beer­wein. Friſche Früchte in grö­ße­ren Men­gen genoſſen wir­ken dage­gen abfüh­rend.

Der ver­dünnte Saft oder 10%ige Abko­chun­gen kön­nen als Gur­gel­mit­tel bei leich­ten Ent­zün­dun­gen im Mund- und Rachen­raum ange­wen­det wer­den. Die iſo­lier­ten Antho­cya­ni­dine haben eine kapil­larab­dich­tende Wir­kung bei krank­haf­ter Kapil­lar­brü­chig­keit, z. B. bei Dia­be­tes, und ſie wer­den in Fer­tig­prä­pa­ra­ten gegen Netz­hau­ter­kran­kun­gen und Stö­run­gen des Nacht- und Däm­me­rungs­ſe­hens, zur Epi­thel­re­ge­ne­ra­tion bei Magen- und Darm­geſchwü­ren, äußer­lich zur Ver­nar­bung von Wun­den ein­geſetzt.

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­den den eng­liſchen Bom­ber­pi­lo­ten Stun­den vor dem Start nach Deu­tſch­land Hei­del­beer­prä­pa­rate ver­ab­reicht, um ihre Nach­tſeh­taug­lich­keit zu ſtär­ken. In der Volks­me­di­zin gel­ten Hei­del­beer­blät­ter als blut­zuckerſen­kend, ohne daſs bis­her eine anti­hy­per­gly­kämiſch wir­kende Sub­ſtanz nach­ge­wieſen wer­den konnte. Ob der Chrom­ge­halt der Blät­ter mög­li­cher­weiſe für eine der­ar­tige Wir­kung ver­ant­wort­lich iſt, bedarf noch wei­te­rer Unterſu­chun­gen.

Da bei län­ge­rem Gebrauch Ver­gif­tungs­erſch­ei­nun­gen auf­tre­ten kön­nen und die Wir­kſam­keit nicht belegt iſt, wird von der Anwen­dung von Zube­rei­tun­gen aus Hei­del­beer­blät­tern abge­ra­ten.

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