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Leben um 1900: Die Kleidung bei tiefer Trauer

Sehr ein­fach iſt die Form, in wel­cher Her­ren ihre Trau­er äußer­lich Kenn­zeich­nen: Ein Flor um den Hut und einen Arm dient als aus­rei­chen­de Trau­er­klei­dung. Dieſer Flor wird zunächſt um den Ober­arm getra­gen, jedoch will es hier und da der Gebrauch, daß man den Flor um den Unter­am legt; ebenſo rich­tet es ſich nach dem Orts­ge­brauch, ob man den Flor um den rech­ten oder den lin­ken Arm trägt. Von den Damen erfor­dert die Trau­er auch äußer­lich Opfer.

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Sie müſſen, und wenn ſie noch ſo far­ben­froh ſind, den lich­ten Far­ben entſa­gen und ſich in das düſte­re Schwarz klei­den. In der aller­erſten Zeit der Trau­er, ins­beſon­de­re beim Begräb­nis ſel­bſt, ver­langt die Sit­te vin Ihnen das Tra­gen ſtump­fer Wol­lſtof­fe ohne jeden Schmuck, außer allen­falls mat­ten Jett. Spä­ter hin, nament­lich im Som­mer, kön­nen an die Stel­le des hei­ßen Wol­lſtoffs ande­re, leich­te­re Stof­fe (Satin und dgl.) tre­ten. Die nachſte­hen­den Trau­ern­den tra­gen dazu lan­ge Schlei­er, wel­che das Geſicht ver­hül­len, aber doch die Mög­lich­keit gewäh­ren, die Trä­nen zu trock­nen, ohne das Geſicht zu entſchlei­ern. Der Schlei­er der Wit­we fällt bis faſt auf die Füße her­ab.
Dazu wird ein Hut in Kapott­form getra­gen, wel­cher erſt in den letz­ten Tagen durch einen ſol­chen von moder­ne­rer Form erſetzt wer­den darf.

Kin­der wer­den gewöhn­lich nicht in Trau­er geklei­det — abge­ſe­hen vom Begräb­nis­ta­ge —, ſon­dern man läßt ſie einen Flor tra­gen oder zu wei­ßen Klei­dern ſchwar­ze Gür­tel und Schlei­fen. Daß auch die Han­dſchu­he ſchwarz ſein müſſen, ver­ſteht ſich eigent­lich von ſel­bſt.

Wer wäh­rend ſei­ner Trau­er­zeit an einer Trau­ung oder der­glei­chen teil­nimmt, muß für dieſe Gele­gen­heit die tie­fe Trau­er­klei­dung able­gen. Er kann ja immer­hin ange­meſſen ernſt geklei­det gehen, aber es iſt nicht angän­gig, daß er auf das freund­li­che Bild der feſt­li­chen Stun­de einen ſchwar­zen Schat­ten fal­len läßt. Die Rückſicht auf ande­re, wel­che der gute Ton vor­al­lem for­dert, gebie­tet ihm, ſei­ne Emp­fin­dun­gen oder viel­mehr die äuße­re Betä­ti­gung ſei­ner Emp­fin­dun­gen zu unter­drücken, um die Freu­de ande­rer nicht zu beein­träch­ti­gen.