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Etikette: Das Mitbringen von Viſitenkarten zu Beſuch

Die Viſie­ten- oder Beſu­cher­karte ſpielt bei Beſu­chen eine große Rolle. Sie ſei nicht zu klein und nicht zu groß und ent­halte nur den Vor- und Zuna­men, ſowie die kurze Angabe des Stan­des des Inha­bers. Die Woh­nungs­an­gabe wird in grö­ße­ren Orten zweck­mä­ßig ſein.

Einen unan­ge­neh­men Ein­druck macht es, wenn auf der Viſi­ten­karte alle mög­li­chen Titel, Orden und Ehren­zei­chen ver­merkt ſind. Auch Wap­pen, Embleme und ſonſtige Ver­zie­run­gen ſehen unſchön aus. Für Ehe­paare fin­det man viel­fach gemeinſame Kar­ten.

Anmeldung des Beſuchs

Beim Ein­tref­fen ſagt man dem öff­nen­den dienſtabren Geiſt, er möchte nach­ſe­hen, ob die Her­rſchaft zu Hauſe iſt. Dabei gibt man ihm die Viſi­ten­kar­ten. Wie­viel Kar­ten man gibt, das rich­tet ſich nach den Beſu­chern und den Beſuch­ten, und­zwar kom­men dabei fol­gende Regeln in Betracht:

1. Beſucht man mit ſei­ner Frau ein Ehe­paar, ſo gibt man ab:

  • ent­we­der ſeine und die gemeinſame Karte oder
  • die eigene Karte zwei­mal und die ſei­ner Frau

2. Beſucht man mit ſei­ner Frau einen Jung­geſel­len, ſo gibt man nur ſeine eigene Karte ab.

3. Beſucht man mit ſei­ner Frau einen alleinſte­hen­den Wit­wer, ſo ver­fährt man  wie zu Punkt 2.

4. Beſucht man mit ſei­ner Frau einen Wit­wer, deſſen Haus­halt von einer erwachſe­nen Toch­ter oder einer ande­ren Dame geführt wird, ſo ver­fährt man wie zu 1.

5. Beſucht man mit ſei­ner Frau eine alleinſte­hende Dame, gibt man ab:

  • ent­we­der ſeine eigene und die gemeinſame Karte oder
  • die eigene Karte und die ſei­ner Frau

6. Macht man einen Beſuch mit ſei­nen Töch­tern, die keine Viſi­ten­kar­ten haben, ſo ſchreibt man im Falle 1, 4 und 5 auf die Karte „nebſt Töch­tern“.

7. Beſucht ein Jung­geſelle ein Ehe­paar, ſo gibt dieſer zwei Kar­ten ab, ebenſo ein Wit­wer, wenn er allein zu Beſu­che kommt.

Die Ablehnung

Wird dem Beſu­cher der Beſcheid „die Her­rſchaft ſein nicht im Hauſe“ oder „die Her­rſchaft ſei ver­hin­dert“ gege­ben, ſo mache er in ſeine Karte auf der lin­ken Seite einen etwa einen Cen­ti­men­ter lan­gen Kniff, gemäß dem Mer­kſpruch „Und in der Kart‘ ein Eſels­ohr, bedeu­tet: ich ſprach ſel­ber vor.“ Der Kniff iſt alſo ein Zei­chen für den Beſuch­ten, daß der Kar­ten­in­ha­ber perſön­lich da war.

Nach Profeſſor L. Werners Bibliothek für das praktiſche Leben, ca. 1900

Erſtellt am: 05.08.1894 | von: Christine von Meſek-Sikorſki
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