Alte deutſche Monatsnamen

Seit dem Papſt Gre­gor der 13., den nach ihm bekann­ten Kalen­der zum Ende des 16. Jahr­hun­derts ein­führte, hat ſich vie­les in der Welt ver­än­dert; doch ſein Kalen­der blieb bis heute beſte­hen. Er löſte den von Julius Cae­ſar erfun­de­nen, julia­niſchen Kalen­der ab. Der neue Kalen­der bediente ſich aller­dings nur einer neuen Berech­nung; die Monats­na­men, die auf die alten, römiſchen Göt­ter zurück­gin­gen, wur­den beibehalten.

Ca. 800 Jahre nach dem julia­niſchen Kalen­der, tau­chen die erſten deutſchen Monats­be­zeich­nun­gen auf (jedoch bereits mit deut­lich chriſt­li­chem Ein­fluſs), die Fried­rich Lud­wig Jahn 1846 in ihre end­gül­tige Form bringt. Ein­heit­li­che Monats­be­zeich­nun­gen gab es nicht, da dieſe von Region zu Region und von Mund­art zu Mund­art vari­ier­ten. Fol­gende Monats­na­men ſind um 1900 in Gebrauch:

Hartung

  • win­tar­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Hart­mond, Jen­ner, Har­tung, Eis­mo­nat, Win­ter, Eis­mond, Horn
  • alten­g­liſch: Snowmoon
  • die harte Mond­zeit des Eiſes und des Schnees.
  • heute: Januar (lat. Janu­a­r­ius: nach dem zwei­geſich­ti­gen Gott Janus, ein Geſicht ſchaut in das alte, eines in das neue Jahr. Zudem iſt er der Gott der Tore und Türen – Tor, Tür ins neue Jahr)

Hornung

  • hor­nung (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Tau­mond, Schmelz­mond, Sel­le­mond, Selle, Sporkel
  • alten­g­liſch: Horning
  • die Mond­zeit in der das Wild ſein Geweih abwirft und in der der Schnee ſchmilzt.
  • heute: Februar (lat. febru­are „rei­ni­gen“, der Monat der Rei­ni­gung von allen Sünden)

Lenzing

  • lenzin­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Lenz, Lenz­mo­nat, Lenzmond
  • alten­g­liſch: Lenting
  • die Mond­zeit in der der Lenz (Früh­ling) einkehrt.
  • heute: März (lat. Mar­tius: der Monat des Mars, der Gott des Krieges)

Oſtermond

  • oſtar­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Wan­del­mo­nat, Gras­mond, Lau­ning, Oſte­ring (ſpä­ter: Oſta­ring), Oſter­mo­nat, Öſtring, Oſter
  • alten­g­liſch: Oſtara
  • Zeit des Oſta­ra­feſtes. Oſtara (ger.) iſt die Göt­tin des Früh­lings, der Frucht­bar­keit und der Morgenröte.
  • heute: April (lat. Apri­lis – Her­kunft unbekannt)

Wonnemond

  • win­ne­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Wei­de­mo­nat, Won­ne­mo­nat, Wun­mond, Wun­mo­nat, Maien
  • alten­g­liſch: Merrymoon
  • Zeit der Früh­lings­freude und des Aus­trei­bend des Viehs auf die Wei­den (alt­hoch­deutſch wunni).
  • heute: Mai (lat. Maius: Gott des Wachstums)

Brachet

  • brach­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Brach­mo­nat, Roſen­mond, Brach­mond, , Sonn­wend, Lin­ding, Wendert
  • alten­g­liſch: Fallow (Brach­land)
  • die Mond­zeit in der das Feld brach liegt und gepflügt wird
  • heute: Juni (lat. Junius: gewid­met der Göt­ter­kö­ni­gin Juno, Göt­tin der Geburt, Frucht­bar­keit und Ehe)

Heuert

  • hewi­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Heuet, Honig­mond, Bären­mo­nat, Heu­mond, Heumonat
  • alten­g­liſch: Haymoon
  • die Fel­der wer­den geheu­ert (das Heu wird gemäht), und in die Scheu­nen verbracht
  • heute: Juli (lat. Julius: benannt nach Gaius Julius Caesar)

Ernting

  • aran­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Ern­te­mo­nat, Ähren­mo­nat, Sichel­mo­nat, Ähren- oder Ern­te­mond, Augſt, Auchſt, Auſt, Erntert
  • alten­g­liſch: Harveſt
  • die Ernte wird ein­ge­bracht und Feſte wer­den gefei­ert, um den Göt­tern für den rei­chen Ern­teſe­gen zu danken.
  • heute: Auguſt (lat. Augu­stus: Bei­name des Kaiſers Okta­vian; bedeu­tet der Erleuch­tete, Erhabene)

Scheiding

  • her­biſt­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Her­bſt­mond, Her­bſting, Holz­mo­nat, Her­bſt, Hernſt­mo­nat, Arminsmonat
  • alten­g­liſch: Shedding
  • die Mond­zeit in der der Som­mer ſchei­det, und der Her­bſt beginnt.
  • heute: Sep­tem­ber (frü­her der 7. Monat im Kalen­der: lat. „sep­tem„ ſieben)

Gilbhard

  • witu­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Wein­mond, Dachsmond
  • alten­g­liſch: Hun­ting (Jagd)
  • Alle Blät­ter ver­gil­ben (wer­den gelb), man berei­tet ſich auf den Win­ter vor.
  • heute: Okto­ber (frü­her der 8. Monat im Kalen­der: lat. „octo„ acht)

Nebelung

  • wind­um­e­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)auch Wind­mond, Schlachtmond
  • alten­g­liſch: Fogmoon
  • die Mond­zeit in der auf Feld und Wald Nebelſchleier lie­gen. Es iſt auch der Monat der Sagen und Märchen.
  • heute: Novem­ber (frü­her der 9. Monat im Kalen­der: lat. „novem„ neun)

Julmond

  • hei­lag­ma­noth (erſt­ma­lig ſo ver­zeich­net, 800 A.D.)
  • auch Heil­mo­nat, Duſter­mond, Heil­mond, Duſtermonat
  • die Mond­zeit des Jul­feſtes (Win­terſon­nen­wende)
  • alten­g­liſch: Wolfmoon
  • und der Beginn der Rauh­nächte zur Winterſonnenwende.
  • heute: Dezem­ber (frü­her der 10. Monat im Kalen­der: lat. „decem„ zehn)

Wei­ter­füh­rende, inte­reſſante Ver­weiſe zu ande­ren Kalen­dern, z.B. dem 13-Monats-Kalen­der oder dem 10-Monats-Kalen­der ſind auf der Kalen­der­über­ſicht Wiki­pe­dias zu finden.

Zu den alten, deutſchen Tages­na­men geht es »hier« ent­lang.


Erſtellt am: 08.02.1891 | von: Christine von Meſek-Sikorſki
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